Informations PDF: Menschen mit Behinderung als Kulturnutzer_innen – Empfehlungen zur Preis-Politik

von | 10. März 2022

Geht an Kulturinstitutionen im Kanton Zürich

Vermehrt erhalten wir Meldungen, die Kulturinstitutionen und die Preis-Politik in Bezug auf Menschen mit Behinderung und Ihre Assistenzpersonen betreffen. Offenbar ist die Handhabung sehr unterschiedlich. Mit unserem Schreiben möchten wir Sie anregen, eine gewisse Einheitlichkeit zu erreichen. Dies hilft Ihnen bei der Planung und kommt auch Ihren Gästen entgegen.

Selbstverständlich liegt es an Ihnen, ein für Ihre Institution stimmiges Vorgehen zu wählen.

Ausgangslage

Auch bei Menschen mit Behinderung sind die finanziellen Möglichkeiten ganz unterschiedlich. Nebst erwerbstätigen Personen, die sich einen Kulturbesuch problemlos leisten können, gibt es auch viele Menschen, die nur über ein sehr geringes Budget verfügen. Ein grosser Teil von ihnen ist nicht oder nur zu einem geringen Grad arbeitsfähig, andere finden trotz attestierter (Teil-) Arbeitsfähigkeit keine Stelle. Dieser Personenkreis ist auf Ermässigungen angewiesen.

Der IV-Ausweis ist ein rechtmässiges Dokument, das zu einem Preisnachlass berechtigt. Ebenfalls bietet sich eine Ermässigung an, wenn die Person behinderungsbedingt auf Begleitung angewiesen ist oder das Angebot und/oder die Platzwahl aufgrund der Behinderung nur eingeschränkt nutzbar sind.

Empfehlungen

Hier ein paar konkrete Ideen, wie eine Preispolitik aussehen könnte:

  • Assistenzpersonen, die eine Person mit Behinderung begleiten, sollten immer freien Eintritt erhalten. Assistenzleistungen sind vielfältig – Assistenzpersonen erbringen kommunikative, physische sowie auch emotionale Hilfestellungen. Assistenzpersonen können aus einem professionellen wie auch aus dem persönlichen Umfeld kommen.
  • Beieingeschränktem Zugang zu einem Angebot, sollte immer eine Vergünstigung offeriert werden. Beispiele für ein eingeschränktes Angebot: Personen im Rollstuhl können nicht alle Ausstellungsräume hindernisfrei erreichen, fehlendes Audio-Angebot für Menschen mit Sehbehinderung.
  • Bei eingeschränkter Platzwahl empfehlen wir einen Durchschnittspreis. Beispiel für eine eingeschränkte Platzwahl: Gehörlose Personen sind gezwungen, die teuerste Kategorie zu buchen, da sie sonst keine freie Sicht auf die Gebärdensprachdolmetschenden haben.

Hinweis

In der Schweiz gibt es keinen staatlichen «Behinderten-Ausweis» wie z.B. in Deutschland. Der IV-Ausweis wird nicht allen Personen mit Behinderung ausgestellt und sagt auch nichts über die finanzielle Situation aus. Der IV- Ausweis sowie die SBB-Begleiterkarte sind jedoch die gängigen Dokumente, die eine Behinderung ausweisen. Auch die Parkkarte attestiert, dass die Lenkerin, der Lenker mit einer Behinderung lebt.

Weitere Anregungen zur Gestaltung der Preispolitik erhalten Sie im Wegweiser «Ein hindernisfreier Kulturbesuch» unter dem Suchbegriff «Preis». Informieren Sie Ihre Gäste über die Ermässigungen und mögliche Hilfestellungen vor Ort auf digitalen und analogen Kommunikationskanälen.

Wir sind für Sie da

Die Schulung des Personals ist zentral im Umgang mit Menschen mit Behinderung. Falls Sie eine Sensibilisierung zu diesem Thema veranstalten möchten, beraten wir Sie gerne.

Bei Fragen und für weitere Auskünfte stehe ich sehr gerne zur Verfügung bkz@bkz.ch

Bei uns im GLEIS21 gilt ein ermässigter Eintrittspreis für die Kategorie (AHV, IV, Student).
Auch sind wir bemüht, Gästen mit Behinderung, bestmöglichst zu betreuen. Wir haben einen behindertengerechten Aufgang und ein behindertengerechtes WC in unserem Kulturhaus. Für uns ist es selbstverständlich Begleitpersonen zur Betreuung, gratis Einlass zu gewähren.

Michi Minder – Geschäftsleiter Kulturhaus & Bistro GLEIS21